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Austria Innovativ, 5-6/1999

Ein Think Tank abseits des Mainstream
Geo-Informationswesen ist eines von zehn Erfolg versprechenden Jungunternehmen, die im Rahmen eines EU-Programmes gefördert werden.

Dass Jungunternehmer nicht nur gute Ideen haben müssen, sondern bei der Durchsetzung dieser Ideen auch ziemlich tough sein müssen, ist DI Anton Schabl ziemlich klar. Sich durchsetzen können, in manchen Lebens- und Firmenlagen extrem belastbar sein, die verschiedensten Dinge sehr locker nehmen können, sich dessen bewusst sein, dass es nicht nur angenehme Auftraggeber gibt, keine Panik und kein riesiges Finanzloch aufkommen lassen, wenn einmal ein halbes Jahr lang kein Geld hereinkommt... das alles sprudelt er heraus, wenn man ihn fragt, was es denn braucht, um als Unternehmer erfolgreich zu starten.
Seit 1997 betreibt Schabl ein Technisches Büro (mit Unternehmensberatung) für GEO-Informationswesen. Die aus dem Firmenprofil stammende Bezeichnung "Think tank" scheint mehr als gerechtfertigt, denn das Büro ist mehr als eine Ideenwerkstatt, in der Realisierungskonzepte von geografischen Informationssystemen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene erstellt und umgesetzt werden, Projektvorhaben mit thematischen Schwerpunkten, Regionalstudien, Kulturlandschaft, Naturraumpotentialbewertung konzipiert, entwickelt und durchgeführt werden; dies alles auf nationaler und internationaler Ebene und unter Einbindung von nationalen und EU-Förderungen. Hinzu kommt noch die Schiene Projektmanagement und -coaching sowie begleitende Qualitätskontrolle.
Derzeit laufen im Büro rund zehn Projekte. Eines davon ist ein gemeinsam mit Italien und Slowenien betriebenes Kulturlandschaftsinventarprojekt, bei dem es darum geht, auf nationalem Ansatz jene Kriterien herauszufiltern, die eine Kulturlandschaft beschreiben. Dieser nationale Ansatz soll später von den Italienern, die über das größte Projektbudget verfügen, übernommen werden, um den Versuch zu starten, die Beschreibungskriterien bis zur Gemeindeebene hinunterzubringen. Finales Ziel ist, Kulturlandschaften auch auf kleinstem regionalen Gebiet nach bestimmten Kriterien abgrenzen zu können.

Glück oder die Qualität der Zeit

Begonnen hat alles mit einem Bergwirtschaftsstudium an der Montanuni Leoben. Nach Beendigung des Studiums blieb Schabl an der Uni, befasste sich mit Bewertungsproblemen und eignete sich das entsprechende Know-how an, um gemeinsam mit einzelnen Firmen und der Forschungsgesellschaft Joanneum Landesumweltinformationssysteme zu konzipieren und bei ihrem Aufbau mitzuarbeiten. Später folgte ein Ausflug in die Wirtschaft, er arbeitete am Aufbau zweier Firmen in Wien mit, und nach fünf Jahren dieser Tätigkeit reifte der Entschluss, sich selbständig zu machen.
Den Zeitpunkt für die Umsetzung der Idee zur Firmengründung bezeichnet er selbst als "sagenhaft gut", denn als er sich ans WIFI wandte, wurden eben in Rahmen eines EU-Projekts zehn ausgesuchte Jungunternehmer, von denen man sich Erfolg versprach, gefördert. Zwei Jahre lang erhielt Schabl ein zu 75% vom WIFI finanziertes coaching, bei dem er eine Fülle von wertvollen Tipps erhielt, sein Unternehmen sukzessive erfolgreich aufzubauen. Unter anderem bekam er den goldenen Hinweis, sich schon dann bei der Bank mit Geschäftsplan und Idee vorzustellen, wenn man noch kein Geld braucht, um Kontakt und Bindung für spätere "kapitalbedürftige" Zeiten herzustellen. Was in seinem Fall auch hervorragend klappte.

Bedarf wecken und Vertrauen gewinnen

Aufbauend auf den Projekterfahrungen und den aufgebauten Kontakten seiner Berufslaufbahn entwickelte er die Marktnische im Bereich Beratung und Umsetzung und arbeitet vorwiegend im öffentlichen Bereich: "Gerade in diesem Bereich können im Tagesgeschäft oft keine Überlegungen angestellt werden, wie man gewisse Richtungen weiterentwickeln oder verändern muss. Aus externer Sicht ist das etwas leichter, und einer meiner Trümpfe ist, dass ich es verstehe, den Bedarf dafür durch Überzeugung sichtbar zu machen. In der Folge geht es dann darum, das Vertrauen der Auftraggeber zu gewinnen, dass die Entwicklung oder Realisierung mit uns auch klappen wird."
Das Vertrauen gewinnt Schabl mit seiner Kompetenz, seinem fixen Ministab von zwei hochqualifizierten Mitarbeitern und der Zusammenarbeit mit Firmen, denen auch er vertraut, weil nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch die Chemie stimmt.
Zusätzlicher Vorteil dieser Art von Networking: Zusätzlich benötigtes Fach-know-how muss nicht laufend bezahlt werden, sondern nur dann, wenn ein konkretes Projekt läuft.

Keine Angst vor Konkurrenz

Vor Konkurrenz hat er überhaupt keine Angst, denn seine Unternehmensphilosophie zielt nicht auf den Gewinn mit Massenware: "Es macht mir Spaß, Projekte zu konzipieren, die etwas ausserhalb des üblichen Rahmens liegen, und meine Philosophie besteht nicht darin, Ideen auszureizen und bis zum bitteren Ende zu vermarkten sondern ich nehme viel lieber immer wieder Neues in Angriff."

 

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